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Wenn alles nur noch nervt - Perspektiven für Jugendliche ohne Ausbildung in Memmingen und Unterallgäu

Manchmal passiert es einfach: Die Spirale setzt sich in Gang, ohne dass der Ernst der Lage gesehen wird.

Hände schieben Puzzleteile

Viele wollen mit 16 einfach das Leben genießen und endlich eigene Entscheidungen treffen. Doch Ausmaß und Bedeutung dieser Entscheidungen sind so weitreichend, dass man eigentlich auch ganz gut jemanden gebrauchen könnte, der die Hand nimmt und sagt: „Hier geht’s lang!“

Besonders wenn die Lebenslage immer komplizierter wird und ein Einstieg in ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben kaum noch zu finden ist.

So ungefähr war die Lage von F., der sich nach Erfüllung der Berufsschulpflicht entschied, seine Schule zum Halbjahr zu verlassen. Berufliche Vorstellungen sind oft mit knapp 16 noch pure Theorie, Spaß und Sinn in einer Ausbildung oder Arbeit hatte F. noch nicht gefunden. Je mehr Druck er erlebte, durch Erwartungen, die er nicht zu erfüllen wusste, desto weniger Leistung erbrachte er für seine berufliche Orientierung, wurde haltlos, frustriert und wütend. Ein Hinweis der Berufsschule auf das von der Goldhofer-Stiftung geförderte Projekt  „Kompetenzzentrum“ der gfi brachte die Wende. Konkret geht es im Kompetenzzentrum der gfi um die pädagogische Unterstützung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 – 25 Jahren mit vielfältigen und oft massiven Problemen.

Gemeinsam mit F. und den Eltern vereinbarte die dortige Pädagogin, dass der Jugendliche unter dem freiwilligen, fordernden und kooperativen Angebot des hier angesiedelten Kompetenzzentrums selbst in die Pflicht genommen werden müsse. Da ihm damit ein geschützter Raum geboten wurde, in dem er selbst, „mit Sicherheitsleine“, Entscheidungen fällen konnte, stimmte F. zu. In regelmäßigen Treffen, auch durchaus einmal mit den Eltern, konnte er professionelle Beratung zur beruflichen Orientierung, aktuellen Arbeitsleistung und auch zu belastenden privaten Themen annehmen. F. konnte sich besser darauf konzentrieren, Praktika zu machen und lernte sowohl sich selbst besser zu „vermarkten“, als auch sich zu kontrollieren.

Ein langer Weg – aber aktuell macht F. eine Lehre zum Berufskraftfahrer in Ulm, hat die Probezeit bestanden und besucht regelmäßig die Berufsschule in Mindelheim.

Aber die Arbeit des Kompetenzzentrums bedeutet nicht „nur“ beratende Tätigkeit und soziale Hilfestellung – hier wird auch tatkräftig mit angepackt:

Bei der alleinerziehenden Mutter L., 21, standen zunächst ganz praktische Probleme im Vordergrund: Was will das Jobcenter von mir? Welche Anträge und Bescheinigungen braucht die Elterngeldstelle? Kann ich mit Kind eine Ausbildung stemmen und wie komme ich aus den Schulden?

Neben einem praktischen Schritt-für-Schritt Plan, der gemeinsam erstellt wurde, und gemeinsamen Besuchen bei Ämtern und Hilfeleistern, wurde hier kurzerhand auch die kaputte Waschmaschine von der Pädagogin zum Wertstoffhof gebracht – schnelle und praktische Hilfe, die Raum und Weg eröffnet, das Leben selbst zu gestalten.

Nach der „äußeren Ordnung“ konnte die innere Ordnung angegangen werden. Mit organisierter Kinderbetreuung wurde ein Praktikum im Altenheim möglich, wodurch L. für sich und ihre Tochter nachhaltige Perspektiven entwickeln konnte. Heute macht sie eine Ausbildung zu Heilerziehungspflegehelferin.

L. profitierte davon, dass die Pädagogin sofort Hausbesuche machen konnte. Der Kontakt fand unkompliziert, schnell, praktisch, professionell und dennoch auf Augenhöhe statt – diese Art von Hilfe konnte L. gut annehmen.

Heute ist sie glücklich: „Das Kompetenzzentrum hat mir geholfen und mich gestärkt, ich stehe besser denn je da und schreibe sogar gute Noten!“

Und F., der ehemals rebellische Azubi, sagt heute: „Mehr weglassen, was nicht so toll ist für mich, und an dem dranbleiben, was ich will - das habe ich jetzt besser verstanden!“

Gerne helfen die Pädagoginnen auch anderen jungen Leuten weiter.