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Bildung befähigt Menschen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten

Zum Internationalen Tag der Bildung: Interview mit Dike Attenbrunner, gfi Passau, über die Wichtigkeit der Bildung und Betreuung an Schulen, über die Schulsozialarbeit und die gfi als Arbeitgeber

Dike Attenbrunner

Dike Attenbrunner, 43, ist Diplompädagogin und Journalistin und Koordination bei der gfi gGmbH am Standort Passau, zuständig für die Bildung- und Betreuungsangebote an Schulen, insbesondere Ganztags- und Mittagsbetreuung sowie (kommunale) Schulsozialarbeit. Zusätzlich unterrichtet Dike Attenbrunner Pädagogik und Psychologie an der Heilerziehungs- und Pflegeschule des bfz in Passau.

 

die gfi: Was verbindet Sie mit der gfi?

Dike Attenbrunner: Identifikation entsteht für mich über Zeit. Entscheidend sind der starke Teamzusammenhalt und dass Führung Mitgestaltung ermöglicht – das stärkt Selbstwirksamkeit. Und: Die Arbeit ist sinnstiftend. In der Schulsozialarbeit kann eine Fachkraft Kinder und Jugendliche auffangen und unterstützen. Und im Ganztag gilt: Je besser ich das gestalte, desto aufgehobener fühlen sich die Kinder – das ist für viele eine echte Bereicherung.

 

die gfi: Was bedeutet Bildung für Sie?

Dike Attenbrunner: Bildung ist mehr als Wissensaneignung. Sie befähigt Menschen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten: Werkzeuge an die Hand zu bekommen, um sich zu orientieren, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen – und zu spüren: „Ich kann etwas bewirken.“

 

die gfi:  Welche Entwicklungen an Schulen sind derzeit besonders wichtig?

Dike Attenbrunner: Ein aktuelles Beispiel ist das Startchancen-Programm. Es unterstützt Schulen in herausfordernden sozialen Lagen, etwa mit hohem Sozialindex, Kinderarmut oder hohem Migrationsanteil, damit Bildung weniger von Herkunft abhängt und mehr Chancengerechtigkeit entsteht. Schulen können damit passgenau Schwerpunkte setzen – etwa in eine bessere Lernumgebung oder in multiprofessionelle Teams, also zusätzlich zu Lehrkräften auch in pädagogische Fachkräfte investieren.

Als gemeinnützige Organisation versteht die gfi Bildung als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe und setzt regionale Bildungsarbeit an mehreren Standorten in Bayern um. Als gfi bringen wir uns hier und generell als Kooperationspartner ein: mit Angeboten auch außerhalb meiner Bereiche, wie offener oder gebundener Ganztagsschule, Mittagsbetreuung, Hort, kooperativer Ganztagsbildung und Ferienbetreuung.

 

die gfi: Welche Rolle spielt das soziale Umfeld beim Lernen?

Dike Attenbrunner: Eine sehr große. Lernen ist mit Emotionen verknüpft. Wenn Kinder ein positives Gefühl haben – zum Beispiel in der Nachmittagsbetreuung – dann gehen sie gern hin und machen meist auch eher ihre Hausaufgaben, weil Freunde da sind oder weil sie wissen: Da sind Leute, die Zeit für mich haben und mich unterstützen. Die Atmosphäre ist sehr wichtig. Für manche ist das die seltene „freie“ Zeit mit anderen Kindern, weil zu Hause wenig Raum dafür ist. Und ganz oft reicht schon dieses Gefühl: „Da ist jemand, der Zeit hat – und mich sieht.“

 

die gfi: Bildung ist mehr als Unterricht. Welche Werte vermittelt die gfi in der Bildungsarbeit?

Dike Attenbrunner: Wir stärken Kinder und Jugendliche und geben Orientierung. Besonders deutlich wird das in der Schulsozialarbeit: Sie ist ein offenes, präventives Angebot für alle und eine Anlaufstelle für Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte – bei Konflikten, Belastungen zu Hause, Sorgen oder Krisen. Kinder und Jugendliche wissen, da kann ich erst mal mit jemandem reden, zu dem ich Vertrauen habe. Sie fördert das soziale Miteinander, bietet schnelle Unterstützung in schwierigen Situationen und setzt Projekte zur Klassengemeinschaft und Prävention um (z. B. Mobbing, Gewalt, Umgang mit Medien). So wird Schulsozialarbeit zur Brücke zwischen Schule, Familie und weiteren Hilfen. Wichtig sind dabei Offenheit, Toleranz, Teamfähigkeit, Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung. Doch das Wissen um diese Prinzipien allein reicht nicht – Kinder müssen lernen, es einzuordnen und im Alltag anzuwenden.

 

die gfi: Wie beeinflusst Digitalisierung die Wissensvermittlung?

Dike Attenbrunner: Sie macht Lernen flexibler und oft anschaulicher – über Plattformen, Videos, interaktive Übungen. Gleichzeitig wird Medienkompetenz zur Schlüsselqualifikation: Datenschutz, Quellen prüfen, Informationen bewerten, Überforderung vermeiden. Kinder können Medien oft bedienen, aber die Einordnung fehlt häufig. Das verändert auch die Rolle der Erwachsenen: weniger „reine Wissensvermittlung“, mehr Lernbegleitung und Orientierung.

 

die gfi: Spüren Sie den Fachkräftemangel?

Dike Attenbrunner: Ja, pädagogische Fachkräfte zu bekommen ist nicht einfach – sie sind gefragt. Aber da zeigt sich auch eine Stärke der gfi: Wir sind bemüht, Lösungen zu schaffen. Wir versuchen, Menschen zu gewinnen, Potenziale zu erkennen und zu schauen, wie wir sie aus- oder fortbilden können, damit sie langfristig pädagogisch gut arbeiten. Gerade im Schul- und Individualbegleitungsbereich arbeiten wir auch mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern. Wichtig ist: Wir sorgen dafür, dass sie durch Fortbildungen und Begleitung befähigt werden, auf unterschiedliche Situationen professionell zu reagieren.

 

die gfi: Wenn Sie sofort etwas am Bildungssystem ändern könnten – was wäre das?

Dike Attenbrunner: Mehr individuelle Förderung statt Einheitsunterricht. Dafür braucht es kleinere Lerngruppen und interdisziplinäre Teams – nicht nur Lehrkräfte, sondern zusätzliche pädagogische Unterstützung. Das hilft Kindern mit Hürden genauso wie Kindern, die mehr Herausforderung brauchen. Individuelle Stärkung schadet niemandem – sie schafft Chancengerechtigkeit. Je kleiner die Klasse, desto besser kann ich auf einzelne Schüler eingehen. In kleineren Gruppen kann ich Dynamiken besser steuern, Stärken und Schwächen erkennen und so zusammenführen, dass gegenseitige Unterstützung möglich wird. Mit 10 bis 12 Schülern arbeitet man anders als mit bis zu 30 – da wird individuelle Hilfe schnell schwierig. Und es geht nicht nur um die Kinder, die sich schwer tun: Auch sehr starke Schüler brauchen manchmal eine andere Art von Förderung. Das Startchancen-Programm geht in die richtige Richtung – ich würde mir das für alle Schulen wünschen.

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