Ein dunkler Freitag im Januar, Wolken hängen über dem Nürnberger Bahnhof. Eine Handvoll Erwachsener wartet am Gleis, während quietschende Durchsagen die Ohren wachrütteln …
So könnte eine weitere turbulente Bahngeschichte beginnen – aber keine Sorge, wir hatten Glück. Unser Zug hat uns pünktlich nach München und später auch wieder nach Hause gebracht. Schön, wenn etwas reibungslos klappt! Genauso toll war unser ganzer Ausflug, bei dem wir unsere Kolleg*innen in München und ihre Arbeitsweise kennenlernen durften.
Wie macht ihr das so?
In Schwabing wurden wir herzlich begrüßt und durften erstmal in einem Klassenzimmer ankommen. Ziemlich schnell waren wir mittendrin im Informationsaustausch, haben viel Neues erfahren, Fragen gestellt und Gegenfragen beantwortet. Dabei konnten wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen und einige Aha-Erlebnisse sammeln. Tagesablauf, Maßnahmen-Ablaufplan, was tun bei Personalausfall – solche Dinge werden in München anders gehandhabt, was manchmal jedoch nur möglich ist, weil der finanzielle Rahmen ein anderer ist.
Tischgespräche in der Mensa
Bei einer Führung durchs Schulhaus haben wir weitere Einblicke bekommen. So heißen die Lernbereiche in Schwabing zum Beispiel „Lernhäuser“. AGs nennt man dort „Werkstätte“. Die Kinder melden sich nicht verpflichtend für eine Werkstatt an, sondern dürfen je nach Lust und Laune zwischen den Angeboten wechseln.
Auch beim Mittagessen haben wir Unterschiede festgestellt. Wir haben in einer großen Mensa gegessen, wo das Essen vom Personal gekocht wird. Angerichtet ist alles wie ein Buffet, die Behälter befinden sich auf Kinderhöhe. Beim Essen hat uns der Schuldirektor besucht und im Gespräch mit ihm haben wir gemerkt, wie sehr er seinen Standort zu schätzen weiß. Der Zusammenhalt – das haben wir bei allen gespürt – ist sehr hoch. Was auch an den vielen Teamsitzungen liegen mag und an einer ungewöhnlichen Idee: Es finden gegenseitige Hospitationen statt. Lehrer sind mal bei den Erziehern mit dabei und umgekehrt. So wird man aus der eigenen Komfortzone geholt und das Verständnis füreinander kann wachsen.
Wem gehört der Raum?
Bei der Tour durch das Schulhaus ist uns aufgefallen, dass es sehr ruhig war. Das lag nicht nur am Wochentag (ein Freitag), sondern auch an den Lernhäusern und dem Ablauf. Denn hier gibt es pro Klasse eine Bezugserzieherin. In der letzten Viertelstunde vom Unterricht setzt sie sich dazu, bekommt so mit, welche Hausaufgaben es gibt, und bringt danach ihre Klasse in die Lernhäuser. Die Lernhäuser haben einen langen Gang, von dem mehrere Türen weggehen. Die Kinder bewegen sich hier frei. Magnettafeln mit Namensschildern gibt es nicht. Und wenn die Kinder wollen, dürfen sie auch nachmittags sogar in ihre Klassenzimmer. Unsere Münchner Kolleg*innen haben das immer wieder betont: Die Räume gehören den Kindern.
Eine weitere schöne Idee haben wir noch kennengelernt: die Friedenstreppe. Links und rechts führen fünf Stufen nach oben. Bei einem Streit gehen die Kinder jeweils eine Seite hoch. Auf jeder Stufe sprechen sie sich aus – und, oben angelangt, geben sie sich die Hand.
Am Ende sind wir mit einem großen Blumenstrauß voller Inspiration und Aufgaben nach Hause gefahren. München und Nürnberg sind sehr verschieden. Aber vielleicht sind sie sich bei ein paar Dingen bald ähnlicher als vor unserem Ausflug.




