Neulich ging es um Regeln. Wie soll man in den Spielräumen miteinander umgehen? Welches Verhalten ist gut, was darf da auf keinen Fall passieren?
Natürlich hätten wir Erzieher*innen und Betreuer*innen das einfach entscheiden können. Aber an unserer Grundschule läuft das anders ab. Wir wollen den Kindern nicht unsere Regeln überstülpen. Stattdessen können sie sich bei verschiedenen Themen einbringen. Hausaufgaben, Mittagessen, Ferienprogramm – alles darf von den Kindern kritisch hinterfragt werden. In den monatlich stattfindenden Kinderkonferenzen (KiKos) werden dann ihre Wünsche, Verbesserungsvorschläge, Beschwerden besprochen. Dadurch lernen die Mädchen und Jungen: Ja, meine Meinung zählt!
Jetzt entscheiden wir!
Die Mitsprache beginnt schon am Anfang des Schuljahres. Da wählt nämlich jede Klasse ihren Hortsprecher und dessen bzw. deren Stellvertreter*in. Die Hortsprecher*innen sind unsere Verbindungen zu den Schulkindern. Sie haben zum Beispiel die Vorschläge für die Regeln in den Spielräumen gesammelt. Also: Welches Verhalten wünschen wir uns in den Spielräumen? Und welches eher nicht? Da kamen Wünsche heraus wie: Streits sollte man fair klären. Oder auch: Niemand soll verletzt werden.
Diese Sammlung haben die Hortsprecher*innen mit den Leiter*innen der KiKos durchgesprochen, zusammengefasst und aussortiert. Danach haben die Hortsprecher*innen das Ergebnis auf der KiKo präsentiert. Als alle Kinder einverstanden waren, haben wir die Wohlfühlregeln mit einer Girlande als Zeichen dafür geschmückt, dass jedes Kind hinter ihnen steht. „Und was, wenn sich jemand nicht an die neuen Regeln hält?“, wollte einer unserer Hortsprecher später wissen. Eine hervorragende Frage! Und definitiv ein Thema für die nächste KiKo.
Wir hören euch zu
Was die Kinder sich wünschen und was ihnen nicht gefällt, muss man erstmal wissen. Manche trauen sich das nicht direkt sagen. Deshalb gibt es auch eine Wunschbox, in die man Zettel einwerfen kann. Klar landen da auch mal Vorschläge drin wie: „Wir brauchen einen Pool für draußen!“ Aber sobald man den Kindern erklärt, dass es darum geht, wie wir schön und gut zusammen Zeit verbringen können, funktioniert das sehr gut.
Die KiKos finden im Bewegungsraum statt. Hier haben alle Platz. Die Kinder können sich bequem auf die Matten setzen. Die Hortsprecher*innen dürfen sich auf die Langbank stellen, wenn sie moderieren. Protokollschreiber*innen halten fest, was wir alles so besprechen und beschließen. Etwa dass wir für Ostern Eier bemalen und Osterhasen backen wollen. Oder in den Pfingstferien ein Tischtennisturnier stattfinden soll.
Diese Konferenzen sind etwas Besonderes. Sie sind lustig, kreativ, spannend und lehrreich. Hier üben die Kinder, miteinander zu reden und einander zuzuhören. Das hat nicht nur einen positiven Effekt auf die Kinder: Auch wir Betreuer*innen schätzen die KiKos sehr. Wir merken: Wir sind ein Team. Wir haben gemeinsame Ziele. Und die Kinder fühlen sich bei uns wohl.
Foto von Julia Renner